Wickel und Auflagen 


Einen neuen Aufschwung in  Prävention und Therapie erfährt derzeit die professionelle Anwendung von Wickel und Auflagen.

Die traditionellen, naturheilkundlichen Methoden sind als Erweiterung des Therapiekonzeptes sehr wertvoll. 

Verloren gegangenes Wissen

Neu erfunden wurden die Wickelanwendungen als eigene pflegerische Interventionsmöglichkeit nicht. Ihre Geschichte reicht sogar mehrere 1000 Jahre zurück, nur war dieses Wissen verloren gegangen. Bereits den Höhlenmenschen war die schmerzlindernde Wirkung von kaltem Wasser bekannt und auch die Römer behandelten Krankheiten mit Wickelanwendungen: "Der Kohl war bei den Römern der Arzt der Armen!" Noch bis in die 70er Jahre waren Wickel und Auflagen grundsätzlicher Bestandteil pflegerischen Wissens und Könnens. Im Zuge der Orientierung an den modernen technischen und pharmakologischen Entwicklungen der Medizin verschwanden sie ziemlich abrupt und fast komplett aus dem Repertoire der Pflege. Einziges Überbleibsel waren erstaunlicherweise die zunehmend falsch angewendeten Wadenwickel.

In den 80er Jahren erlebten die Wickel einen Aufschwung. Sie waren eine Art Gegenbewegung zu den Schattenseiten der Medizin und gingen parallel mit der zunehmenden Professionalisierung in der Pflege, jetzt allerdings mit dem Zusatz "alternativ" versehen. Das Bewusstsein, für die eigene Gesundheit selbst verantwortlich zu sein, nahm allgemein zu und ging mit dem Wunsch einher, dazu auch einen eigenen Beitrag zu leisten.

Die mit der zunehmenden Professionalisierung einsetzenden Pflegeforschung bewirkte in den 90er Jahren, dass Pflegende begannen, sich mit dem Thema "Wickel und Auflagen" kritisch auseinanderzusetzen.

 

Anwendung ist Zuwendung

Wir, die Fachfrauen und Fachmänner für Wickel und Auflagen verstehen Krankheit als ein Erleben, das Körper , Geist und Psyche betrifft, jedoch orientieren sich die Wickelanwendungen an deren gesunden Anteilen. Diese Sichtweise gibt den PatientInnen das Gefühl, dem Krankheitsgeschehen nicht ausgeliefert zu sein und selbst Verantwortung für den Heilungsprozess übernehmen zu können. Wir befassen uns intensiv mit den PatientInnen und empfehlen ergänzende Angebote zu der vielleicht schon bestehenden medikamentösen Therapie. Durch das Anlegen eines Wickels, erlebt die PatientIn Zuwendung, es wird Zeit  zum Erleben, Spüren und  zur Nachruhe eingeräumt. Die rasch einsetzende Wirkung der Wickelanwendung steigert das Wohlbefinden, was eine Auseinandersetzung mit den Symptomen und Schmerzen ermöglicht und die Selbstheilungskräfte aktiviert.

Sogenannte "Rosskuren", wie beispielsweise die Einnahme von Abführmitteln, können mit Wickelanwendungen vermieden werden. Bei Obstipation ist eine feucht-heiße Bauchkompresse, wenn die Kontraindikationen beachtet werden, völlig ohne Nebenwirkungen, während die der verschiedenen Abführmittel hinreichend bekannt sind. Hinzu kommt, dass für Wickelanwendungen Grundzutaten wie Tücher, Wasser und Wärmflaschen nötig sind, die ohnehin in jedem Haushalt vorhanden sind. Damit sind Wickelanwendungen zudem äußerst kostengünstig.Wichtig ist aber bei jeder Wickelanwendung im ambulanten oder stationären Bereich die Zusammenarbeit mit den ÄrztInnen, da bei Ihnen die Gesamtverantwortung für die Behandlung liegt.

Hoher Nutzwert

Wickel und Auflagen erfüllen eine wichtige Aufgabe,

- im präventiven Bereich (Das Bestreben eines Menschen sich gesund zu halten - Salutogenese - kann durch eine frühzeitig                  entspannende und wohltuende Anwendung z.B. die Kartoffelauflage gefördert werden und somit eine Muskelverspannung im            Nacken lindern oder sogar ganz vermeiden.')

- denn durch die Zuwendung und Nähe beim Anlegen eines Wickels, wird dem jungen wie alten Menschen ein Gefühl der                      Geborgenheit und des Umsorgt werdens vermittelt. 

- in Kombination mit anderen Therapieformen. Sie können als ein Angebot aus der komplementären Pflege sogar den                              therapeutischen Effekt verstärken und somit zu einer schnelleren und gezielteren Besserung verhelfen. Begleitend zur                          Schmerzbekämpfung bei akuten und chronischen Beschwerdebildern kommen Wickel und Auflagen immer häufiger zum Einsatz.. - Ebenso werden Sie mit dem Ziel der Organstärkung oder -Entgiftung wie z.B. der feucht - heiße Schafgarbenleberwickel beim            Fasten eingesetzt.

- auch bei der Linderung von Befindlichkeitsstörungen wie z.B. Verdauungsbeschwerden, Husten, Erkältung, Schlafstörungen,                Kopfschmerzen... .               

 

Wirkungsmodelle

Die Wirkung einer Wickelanwendung lässt sich über

- den thermischen Reiz / Hydrotherapie  (warme - kalte Anwendung / trockene - feuchte Anwendung, z..B. feucht heißer                        Gelenkwickel oder trocken warmes Kirschkernkissen)

- die Hea´dschen Zonen (bestimmte Segmente der Hautoberfläche stehen über spinale Reflexbahnen mit einem bestimmten                 inneren Organ in Verbindung, z.B. über der Leberregion aufgelegte feucht heiße Kompresse)

- die Phytopharmakologie (z.B. Heilpflanzenzusätze wie die Schafgarbe oder der Thymian, die eine entkrampfende oder                           hustenreizlindernde Wirkung auf die Muskulatur haben)

- den Psychosozialen Aspekt (den Körper, die Seele und den Geist des Menschen in seiner Gesamtheit betrachtend,                                 Zusammenspiel von psychischen und physischen Faktoren)

- die Pflegerischen Aspekte (Körpergrenzen erfahrbar machen, Förderung der Wahrnehmung, entspannte Lagerung, geplante               Pflegeanwendung...)  siehe auch der Basale - Wickel - Dialog  unter W&A in der Praxis

erklären.

 

Wickelzusätze 

Neben den oben genannten Wirkprinzipien spielen die verschiedenen Zutaten der Wickelanwendungen auch eine wichtige Rolle. Wir nutzen viele Heilpflanzen in Form eines Teeaufgusses, als Ölauszug oder deren ätherische Öle in einer bestimmten Dosierung. Auch werden Lebensmittel wie Quark, Zwiebel, Kartoffel, Ingwer oder Kohl als Auflagen verwendet. Heilerde, Leinsamen, Bockshornklee aber auch  Salben und Tinkturen kommen in den Einsatz.

 

Professionelles Anwenden

Muss man "Wickeln" wirklich lernen und sich zur Fachkraft weiterbilden? 

Um einen, nach der Befindlichkeit und dem Gesundheitszustand, angemessenen Wickel anzuwenden, braucht es das Wissen um Wirkungsweisen, Indikationen, Kontraindikationen uvm. Im Einsatz von Wickel und Auflagen darf nicht ziellos ausprobiert werden, denn es ist mitnichten so, dass die Anwendungen , wie häufig in diesem Bereich der naturheilkundlichen Methoden gemeint, ohne Gefahren oder Nebenwirkungen sind.

Das Zwiebelsäckchen auf das schmerzende Ohr des Kindes lässt in der Regel die Beschwerden über Nacht wieder verschwinden, ist dem aber nicht so, dann muss Sorge getragen werden, dass keine Mittelohrentzündung dahinter steckt. Wichtig ist in diesem Fall, zu erkennen ob die Zwiebelanwendung alleine ausreicht oder doch ein Arztbesuch notwendig wird.  Auf keinen Fall sollte es zu einer Verschleppung der Krankheit kommen. Welche Auflagen sind beim Kind oder bei einem geschwächten, temperaturempfindlichen Menschen angezeigt? Eine wohltemperierte Bienenwachskompresse oder die Ölkompresse könnte eine Anwendungsmöglichkeit sein. Hautreizende Auflagen mit Ingwer, Meerrettich oder Senfmehl gehören in die Hände von Fachleuten oder zumindest von Personen, die selber schon Erfahrungen mit diesen Zusätzen gemacht haben oder eine Fortbildung hierzu besucht haben. 

 

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